Nach Hause

von Lyndis Cealin am
etwa 3 Minuten zum Lesen

Home

Nach Hause

Allmählich kam ihr Ziel in Sicht, was sie dazu brachte, nervös an ihrem Oberteil zu nesteln.

„Jetzt beruhig‘ dich doch endlich, das ist ja schlimm.“

Aber sie konnte sich nicht beruhigen. Sie war so unglaublich nervös.

„Es wird schon nicht so furchtbar werden.“ Doch das brachte ihm nichts weiter als ein nervöses lachen.

Sie sank tiefer in ihren Sitz, als wolle sie sich darin verstecken.

„Du hast ja keine Ahnung“, murmelte sie verzweifelt und wischte sich mit der Hand durchs Gesicht.

„Sie sind so… anders als ich.“

Doch ihr Partner zuckte nur die Schultern: „Wir werden es schon überleben. Du hast selbst gesagt, dass der Besuch überfällig ist.“

„Ja, und was glaubst du, warum ich so lange gewartet habe? Egal was heute passiert, bitte versprich mir, dass das keine Auswirkungen auf unsere Beziehung hat!“

Er seufzte nur etwas genervt: „Das habe ich dir jetzt schon hundert Mal versprochen. Ich kenne dich doch. Egal was sie sagen oder tun, das ändert doch mein Bild von dir nicht.“

„Du siehst dann aber, wo ich her komme… was meine Wurzeln sind! Und wenn du diese Wurzeln hättest, wärst du auch nicht gerade stolz darauf.“

Doch er verdrehte nur die Augen, was sie dazu brachte, abermals aufzubrausen:

„Du weißt doch gar nicht wie das ist! Du hast schon öfter jemanden nach Hause gebracht, euch kennt jeder! Ich bin die erste! Und das ganze wird so peinlich. Ich will gar nicht daran denken.“

„Dann hör endlich auf darüber nachzudenken und lass es uns einfach durchziehen. Oder soll ich umdrehen?“

„Nein! … nein, ist schon gut. Wir sollten das machen. Ich hab mich so lange nicht gemeldet, sie machen sich sicherlich schon Sorgen.“

„Na siehst du, das ist doch schon eine viel bessere Einstellung.“

Sie atmete durch und schaute nach vorne. Nur noch ein paar Minuten, dann wären sie da.

Hoffentlich behielt ihr Partner wirklich im Hinterkopf, dass sie anders war. Sie hatte sich nie richtig zugehörig gefühlt und als sie endlich die Chance gehabt hatte, weg zu gehen, hatte sie diese ergriffen. Das war jetzt Jahre her und sie hatte fest versprochen zurück zu kommen und dass sie im Idealfall jemanden mitbringen würde.

„Deine Heimat sieht echt hübsch aus“, kommentierte ihr Partner und dachte wohl, dass er sie damit etwas aufmuntern konnte.

„Nur von außen“, murmelte sie.

„Es kann doch nicht alles schlecht sein“, warf er unzufrieden ein. „Nenn mir wenigstens eine positive Sache!“

Sie schwieg. Es gab sicherlich etwas, aber ihr fiel beim besten Willen nichts ein. „Von außen siehts hübsch aus?“

Daraufhin mussten sie beide schmunzeln.

„Denkst du, sie reagieren aggressiv?“

Darüber hatte sie sich auch schon Gedanken gemacht, aber sie hoffte, dass, wenn sie mit ihm kam, alles etwas ruhiger ablaufen würde.

„Ich habe uns extra angekündigt, schon vor einer Weile. Sie sollten also genug Zeit gehabt haben, um sich ordentlich darauf einzustellen. Ich hoffe sie freuen sich einfach und sind nur neugierig.“

Aber selbst das wäre schon unangenehm. Allerdings lag die Chance, dass sie ihn einfach als normal empfanden und nicht merkwürdig mit ihm umgingen, bei Null, da war Neugierde noch die mildeste Alternative. Hoffentlich waren sie nicht zu neugierig.

„Wir bleiben aber nicht über Nacht! Egal wie freundlich du sie findest. Nicht, dass sie was komisches machen, während wir schlafen.“

„Ja, ich weiß. Wir sagen kurz ‚Hallo‘, lassen uns was zu Essen andrehen, wechseln ein paar höfliche Worte und dann verschwinden wir wieder.“

Sie nickte zustimmend und versuchte sich etwas zu entspannen.

„Ah, wir bekommen die ersten Signale!“, rief ihr Partner freudig aus und stellte den kleinen Monitor an. Zu sehen war eine Live-Berichterstattung in der Nähe einer Militärbasis. Vor Zäunen befanden sich Demonstranten verschiedener Lager. Auf den unzähligen Transparenten konnte man Sprüche für und wider das Einreisen von Außerirdischen lesen.

Es wurde von Krawallen berichtet und dass Polizei und teilweise sogar Militär eingreifen mussten und dass es Drohungen aus anderen Ländern gegeben hatte.

Sie versank weiter in ihrem Sitz. Es war wirklich nicht einfach die Erste zu sein.

„Es tut mir leid“, murmelte sie, während sie in die Erdatmosphäre eintraten und ihr Raumschiff in der vorbereiteten Militärbasis landeten.

<< Voriges Kapitel
   
   
   
Nächstes Kapitel >>