Liam - Hintergründe

von Lyndis Cealin am
etwa 7 Minuten zum Lesen

Blog

Die Geschichte hinter der Story

Die Story Liam ist in einem Foren-RPG entstanden und auch wenn die Welt und die meisten Charaktere aus meiner Feder stammen, gehört mir ein Charakter nicht: Das ist Joel. Joel ist geistiges Eigentum meiner Playpartnerin und auch wenn ich die Erlaubnis und die volle Verfügung über ihn habe, will ich das hier dennoch erwähnen. Es ist mir wichtig, dass man weiß, was meiner Fantasie entspringt und was nicht.

Foren-RPGs in Stories umzuschreiben ist nicht einfach, weshalb nicht 1 zu 1 alles übernommen werden wird, was Joel ausmacht. Das kommt hauptsächlich daher, weil meine Playpartnerin und ich uns nicht stundenlang vorher zusammensetzen und unsere Charaktere bis ins Detail ausarbeiten. Zu oft kommen sonst Situationen auf, wo solche Vorüberlegungen gar nicht mehr funktionieren. RPG schreiben hat viel mit Spontanität zu tun, denn man kann nie wissen, was seinem Playpartner als nächstes einfällt, weshalb Planungen meistens sowieso hinfällig werden. Das kann so weit gehen, dass ganze Storystränge, die geplant waren, plötzlich nicht mehr funktionieren und es macht einfach viel mehr Spaß die Story anzupassen, statt die Charaktere zu verbiegen. Planung in einem RPG macht also nur wenig Sinn. (mehr dazu in Foren-RPGs)

Die Grundidee von ‘Liam’ war eigentlich ganz simpel: Eine Boys Love Story in einer modernen Welt mit einer versteckten Magier Gesellschaft. Wir wählten das Land Japan, weil wir uns dort einigermaßen auskennen und es etwas exotischer ist als Deutschland. Joel sollte ein Charakter sein, der magische Fähigkeiten hat, aber bisher nichts von der magischen Welt weiß und seine Fähigkeit sollte etwas besonderes sein. Außerdem sollte er große Probleme mit der Fähigkeit haben, wie groß, war meiner Playpartnerin überlassen. Die Fähigkeit musste außerdem zu irgendetwas gut sein können, damit mein Charakter (Liam) Interesse an ihr bekam. Irgendwie muss man die beiden Charaktere ja auf einen Fleck bekommen. Wir entschieden uns dann für Elektrizität, was man so als magische Fähigkeit im Allgemeinen nicht unbedingt kennt (Blitze schleudern ausgenommen).

Dann musste mein Charakter noch her. Er musste ein übernatürliches Wesen sein und ich überließ meiner Playpartnerin, ob sie lieber einen Magier oder einen Dämon haben wollte. Sie wählte beides, weshalb Liam nun ein Dämonenmagier ist. Damit war das Setting klar, wir legten uns beide ein paar Kleinigkeiten zu unseren Charakteren zurecht, das war es an Vorbereitung.

Nun ja, nicht ganz… es gibt immer ein Problem: Wie zum Teufel treffen die Charaktere sich und bleiben dann auch beieinander!? Liam war nicht als der Typ konzipiert, der sich groß um andere scherte und Joel nicht als jemand, der Gesellschaft suchte… Mist! Als Autor kann man glücklicherweise ganz gut tricksen. Was könnte Liam dazu bringen, in der Nähe von Joel zu bleiben? Ha! Die magische Welt hat eben einfach auch eine Regierung und Liam arbeitet für sie und die wollen Joel für irgendetwas haben. Warum er für sie arbeitet, wo er doch eigentlich konsequenter Einzelgänger ist und es mit Autoritäten eigentlich gar nicht so hat, konnte man sich später noch zurecht legen, wenn man seinen eigenen Charakter etwas besser kennengelernt hatte. Was die Regierung von Joel will ist im übrigen zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels immer noch nicht ganz klar.

Joel war schon schwieriger. Liam konnte nicht einfach ständig zufällig in ihn rein laufen und man benötigt in einem RPG immer strenge Interaktion zwischen den beiden Rollen, weil sonst jeder nur selbst vor sich hinschreibt und der ganze Reiz dann weg ist. Liam einfach aus der Ferne beobachten zu lassen war demnach auch keine gute Idee.

Zudem hat Liam keine ‘menschliche’ Ausbildung, Joel konnte ihm also auch nicht als Kollege begegnen. Selbst wenn Liam eine Ausbildung hätte, wäre er damit maximal Chef von Joel geworden und dann wäre die ganze Story so eine merkwürdige Bürogeschichte geworden, wo sich der Chef an seinen ‘Untergebenen’ ran macht. Kann auch seinen Reiz haben, wollten wir zu dem Zeitpunkt aber nicht.

Was macht Joel sonst noch aus? Durch seine Fähigkeit muss er sehr oft die Stadt wechseln, weil er Angst vor dem hat, was passiert, wenn jemand mitbekommt, was er kann. Er hat keine richtige Ausbildung, hat kaum je länger als ein Jahr in einem Job verbracht und ist damit disqualifiziert für alles, was ihm etwas mehr Geld einbringen könnte. Bingo!

Joel ist neu in der Stadt und Liam bietet ‘zufällig’ ein Zimmer seiner Wohnung zur Untermiete an und das auch noch zu einem Spottpreis. Joel kann nicht anders als zu zu greifen, er kann sich nichts anderes leisten. Perfekt! Warum jemand plötzlich ein Zimmer in einer Wohnung untervermieten will, wo sofort ersichtlich ist, dass er genug Geld hat um sich die Wohnung auch alleine leisten zu können? Eeeeeeeeeehhhhh…. ach was Logik, das braucht kein Mensch. Wenn es mal so weit ist, dass die Frage aufkommt, redet sich Liam da schon irgendwie raus. Ich vertraue auf meinen Charakter! Der schafft das schon. Meine Charaktere enttäuschen mich nie… und falls doch, dann muss Joel die dumme Ausrede die ich ihm auftische eben schlucken, weil er sowieso keine andere Wahl hat. Er kann ja sonst nirgendwo hin. Perfekt!

Warum aus Liams Sicht?

Vielleicht denken sich manche, ich hätte Liams Sicht gewählt, weil es ja auch mein Charakter ist, aber es ist nicht schwer für mich, fremde Charaktere zu übernehmen. Zum einen habe ich das in Fanfictions schon sehr oft gemacht, zum anderen teilt man sich in RPGs auch ab und an einen Charakter, weil er mit beiden Hauptcharakteren interagiert und dann - sofern nur einer diesen Charakter schreibt - schnell die Situation aufkommen kann, dass einer alleine unglaublich viel Text produzieren muss und der andere keinen Kontent bringen kann, weil er an der Szene nicht beteiligt ist.

Ich bin es also gewohnt mich in fremde Charaktere hinein zu versetzen und gerade Joel ist ein Typ von Mensch, den ich schon sehr häufig selbst kreiert habe. Was mich stattdessen angetrieben hat, aus der Ich-Perspektive von Liam zu schreiben, ist die Herausforderung, dem Publikum einen derart unsympathischen Charakter schmackhaft zu machen. Das ist etwas schwierig, wenn man zu sehr in dem Charakter drin ist, weshalb der erste Draft der beiden Kapitel die gerade online sind, einfach furchtbar ist.

Außerdem ist es ein schöner Bruch mit dem Klischee (und ich breche ab und an gerne mal mit Klischees und Traditionen), dass solche Geschichten aus der Sicht des Neulings geschrieben werden, auch wenn ich verstehe, dass das für den Leser etwas angenehmer ist, weil er dann mit dem Hauptcharakter zusammen diese neue Welt entdecken kann.

Es ist also mehr oder minder ein Experiment, ob diese Perspektive auch seinen Reiz hat und funktioniert.

Der Anfang

Das RPG an sich hat damit begonnen, dass Joel bei Liam an der Tür klingelt um die Wohnung zu besichtigen. Das wäre durchaus auch ein netter Anfang für die Story gewesen, aber dann hätte ich Liam nicht ordentlich vorstellen können, weil er sich ab diesem Zeitpunkt verstellen muss. Es hätten wesentliche Charakterzüge gefehlt und um zu verstehen wie sehr er sich verstellt, muss man ihn in seiner natürlichen Verhaltensform erlebt haben. Mit einem Prolog konnte ich dem Leser außerdem die Magierwelt etwas näher bringen und ihm zeigen, wie sich Magier in dieser Geschichte verhalten. Das ganze ist selbstverständlich etwas abwertend, weil Liam Magier für Idioten hält. Ich liebe meine Magier! Es macht unglaublichen Spaß sie zu schreiben.

Warum diese Story Schuld an dieser Webseite ist

Ich hatte nie vor einen Blog online zu stellen und eigentlich auch keine meiner eigenen Stories (also alles was nicht unter Fanfiction fällt) zu veröffentlichen, aber als ich begonnen hatte „Liam“ auszuarbeiten, wollte ich den Text meiner Playpartnerin zur Verfügung stellen. Ihr ständig PDFs zu schicken, wenn ich was neues hatte, wurde mir bald zu dumm, also habe ich eine Webseite erstellt - erst einmal ohne Layout, also nur schwarzer Text auf weißem Hintergrund.

Dann hat mir ein Kumpel von Jekyll erzählt, mit dem man sehr einfach Webseiten erstellen kann, ohne einen Baukasten benutzen zu müssen. Also suchte ich mir ein Theme, das zu mir passte und begann diese Webseite hier aufzusetzen. Jetzt kann meine Playpartnerin und auch ihr ganz einfach mitverfolgen, was ich so fabriziere.

Viel Spaß dabei!