Was sind Foren-RPGs?

von Lyndis Cealin am
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Foren-RPGs, was ist das?

RPG heißt ausgeschrieben ‘Role Playing Game’, also Rollenspiel. Im Prinzip sind Foren-RPGs nichts weiter als Geschichten die man gemeinsam mit anderen schreibt, indem man einen oder mehrere feste Charaktere übernimmt und aufschreibt, was diese in der gegebenen Situation tun.

Es gibt dafür keine festen Regeln, aber ein paar ungeschriebene, an die sich meistens gehalten wird, wie z.B. den Charakteren der anderen Spieler die Möglichkeit zu geben zu reagieren und fremden Charakteren keine Aktionen vorzuschreiben. Natürlich gibt es da bei jedem Einzelnen eigene Vorlieben und andere Regelsätze, die dann abgestimmt werden müssen. Unter anderem auch deshalb kann es sehr schwer sein, einen sogenannten Playpartner zu finden, mit dem es einfach funktioniert und mit dem es nicht anstrengend ist, ein RPG zu schreiben, sondern einfach nur Spaß macht.

RPGs kann man zu zweit oder mit mehr Leuten spielen. Es gibt da keine Begrenzung. Da es aber schwer ist mehrere Leute zu synchronisieren, ohne, dass der ein oder andere zeitmäßig nicht hinter her kommt und andere sich langweilen, weil sie ständig auf neue Beiträge (Posts oder Postings) warten müssen, bevorzuge ich persönlich RPGs mit nur einem Partner. Dabei werden meist von beiden Spielern im Laufe der Zeit mehrere Rollen übernommen. Erfordert es die Storyline, kann es aber auch schonmal passieren, dass einer eine Rolle übernimmt und der andere alle anderen. (Wie bei Liam ).

Es gibt zwei Stile, in denen hauptsächlich geschrieben wird.

Roman-Stil

Der Roman-Stil ist der, der einer echten Erzählung nachempfunden ist. Für jeden Charakter, der an der Szene beteiligt ist, wird ein kurzer (wobei kurz relativ ist) Text geschrieben. Da Beispiele mehr sagen als tausend Worte hier ein Ausschnitt aus dem RPG ‘Merkwürdiger Fremder’, was Grundlage für „Liam“ ist (Achtung, kleiner Spoiler!):

Liam

Es hatte ihn etwas Nerven gekostet, tatsächlich einfach still zu bleiben und abzuwarten. Er war normalerweise ein Mann der Taten und Geduld war nur dann seine Tugend, wenn es wirklich sein musste.
Das Klingeln an seiner Tür war das nun endlich das Zeichen, dass das Warten sich ausgezahlt hatte.
Wie eine Fruchtfliege, die von Zuckerwasse angezogen wurde, kam dieser dumme Mensch zu ihm. Andererseits konnte er es ihm auch nicht verübeln. In seiner Situation hätte wohl jeder nach jedem Strohhalm gegriffen, der ihm dargbeoten wurde.
Er warf noch einen schnellen Blick in den Spiegel. Das kämpfen mit seiner Kraft hinterließ einige Tage lang Spuren, die er mit einem Zauber überdecken musste, wenn er nicht aufallen wollte, aber es war alles, wie es sein sollte.
Kurze, schwarze Haare, braune Augen, die Haut etwas blass. Der typische Japaner also. Er achtete darauf, dass sein Gesichtsausdruck etwas weicher war, als gewöhnlich. Eine zu harte Ausstrahlung könnte den anderen verschrecken. Perfekt.
So Schritt er zur Tür und öffnete seinem potentiellen, neuen Mitbewohner. Mit einem leichten Lächeln begrüßte er den Neuankömmling: “Hallo Jain-san. Schön, dass Sie Zeit hatten. Bitte, treten Sie ein.”
Er trat beiseite um ihn hereinzulassen.

Joel

“Danke”, murmelte Joel und mied den Augenkontakt, indem er den Holzboden musterte.
Mit eingezogenem Kopf ging er an Ren vorbei. Er wirkte wie ein eingeschüchtertes Reh, dem man die Schrotflinte an die Stirn hielt. Doch eigentlich fühlte er sich nur verdammt unwohl. Er hasste es, mit anderen Menschen unter einem Dach zu wohnen. Aber seine finanzielle Lage zwang ihn immer wieder in diese äußerst präkere Situation. Er erinnerte sich nur ungern an seinen letzten Mitbewohner.
Schnell schüttelte er den Kopf und hob den Blick. Die blauen Augen waren unnatürlich hell, als brächte sie etwas zum Leuchten.
“Ist das das Zimmer?”, er deutete mit dem Daumen über die Schulter.

Das sind die ersten beiden Posts aus dem RPG. Unbehandelt, nicht korrigiert, das ist 1 zu 1 rauskopiert. Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt Fehler drin sind, aber es ist (vor allem bei meinen Posts) sehr wahrscheinlich. Es geht beim RPG spielen nie (na ja, zumindest nicht bei mir) darum, etwas perfektes abzuliefern, sondern einfach nur Spaß daran zu haben. Deshalb ist es meistens auch ein wenig schwer, das Material in einen zusammenhängenden Text umzuschreiben.

Der Roman-Stil eignet sich meiner Meinung nach weniger dafür, dass man das RPG zu einer richtigen Story umschreibt, weil schon so viel Stil vorgegeben ist, dass es manchmal schwer ist, einfach nur die Informationen zu nehmen und die in einen ordentlicheren Text umzuschreiben. Mal abgesehen davon, dass es viel schwerer ist, die Grundinformationen herauszufiltern.

Es macht durchaus auch Spaß da ab und an mal drüber zu lesen, aber es eignet sich eben in der Form nicht für ein Kapitel, vor allem, weil jeder Beteiligte an einem RPG einen eigenen Stil hat.

Man einigt sich übrigens auch meistens auf eine Perspektive, in der geschrieben wird. Es ist eher die Ausnahme, dass der eine in der 1. Person singular schreibt und der andere in der 3. Person singular. Kommt aber auch vor, denn wie schon gesagt, wirklich feste Regeln gibt es nicht.

Um mich selbst zu zwingen nicht einfach Stücke aus dem RPG in meine Kapitel zu kopieren, habe ich die Perspektive gewechselt. Abgesehen davon, dass es in der Ich-Perspektive einfacher ist, das Innenleben eines Charakters zu beschreiben und solltet ihr die Story verfolgen wollen, werdet ihr sehen, dass das hier praktisch ist.

Meiner Meinung nach eignet sich der zweite Stil besser, wenn man von Anfang an vor hat, das RPG in eine Story umzuschreiben.

Der Sternchen-Stil

Der Sternchen-Stil wird von sehr vielen Hobbyautoren oder langjährigen RPG Spielern nicht gemocht. Wer Anspruch an das hat, was da produziert wird, greift meist zum Roman-Stil. Ich habe den Sternchen-Stil etwas lieber, weil er schneller zu schreiben ist und damit wesentlich Zeit spart. Dafür ist er aber auch nicht ganz so informativ und längst nicht so ausführlich. Es gibt 3 verschiedene Arten, die in einem Post verwendet werden können:
*…* - Jemand tut etwas.
//…// - Jemand denkt etwas.
… - Jemand sagt etwas.

Klingt komplizierter als es ist. Hier den Ersten der beiden obigen Posts als Sternchen-Stil verfasst:

Liam

*es mich Nerven gekostet hat, einfach abzuwarten*
*dazu nicht wirklich der Typ bin*
*das Klingeln der Tür mich dann endlich erlöst*
//Wie eine Fruchtfliege zum Zuckerwasser//
*zufrieden denke*
//Allerdings hat er in seine Situation auch nicht wirklich eine Wahl//
*noch einmal einen Blick in den Spiegel werfe um zu überprüfen ob der Tarnzauber ordentlich sitzt*
*das notwendig ist, weil meine Magie Spuren hinterlässt*
*so jetzt aussehe wie ein normaler Japaner*
*zusätzlich darauf achte, dass mein Gesichtsausdruck weicher wirkt als sonst um ihn nicht zu verschrecken*
*dann endlich die Tür öffne*
Hallo Jain-san. Schön, dass Sie Zeit hatten. Bitte, treten Sie ein.
*beiseite trete um dich herein zu lassen*

Es gibt ein paar Unterschiede, die (abgesehen von der äußeren Form) schnell auffallen. Die Perspektive wurde gewechselt, was nicht am Stil, sondern an mir liegt. Den Sternchen-Stil verfasse ich ausschließlich in der Ich-Perspektive und ich kann auch nicht verhindern, bei der Adressierung des anderen Charakters zwischen 2. und 3. Person singular zu wechseln. Das hat sich über die Jahre so eingebürgert, das bekomme ich nicht mehr raus. Im Roman-Stil bin ich was das angeht wesentlich flexibler. Bisher hat es aber noch keinen wirklich gestört.

Was auch auffällt ist die merkwürdige Grammatik. Das ist tatsächlich eine der Regeln, die von den meisten eingehalten wird. Es klingt vielleicht anfangs etwas merkwürdig und umständlich, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Es gibt einige die das Gefühl haben, dass man sich im Sternchen-Stil nicht so gut ausdrücken kann. Das stimmt so nicht. Das wichtigtse bringt man auch damit rüber. Glaubt mir, ich habe öfter zu Tränen gerührt vor einem Sternchen-Stil RPG gesessen, als vor einem Roman-Stil RPG - und nein, das liegt natürlich auf gaaar keinen Fall daran, dass ich mehr Sternchen RPGs schreibe.

Wie man vielleicht sieht liegen die Informationen sehr kompakt und übersichtlich vor. Zumindest empfinde ich das so. Es ist für mich einfach damit zu arbeiten, wenn man eine Story daraus machen will. Umschreiben muss man beides, damit es funktioniert, der Strenchen Stil macht das für mich übersichtlicher.

Mehr gibt es nicht zu wissen. Wenn euch interessiert, wie man ein RPG plant, schaut bei Liam - Hintergründe vorbei, da gehe ich unter anderem auch darauf ein.

   
   
   
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